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| Old Moshi |
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Zur Geschichte des Ortes Old Moshi
Bei der Tour besichtigen wir auch ein originales Chagga Haus und einen
Wasserfall am Dorf. Neu aufgenommen haben wir eine historische Eisenschmiede
und unterirdische Gänge, die von den Chagga bei kriegerischen Auseinandersetzungen
aufgesucht wurden. Alles in allem ein Tag mit viel Bewegung und neuen
Eindrücken.
Old Moshi hieß vor rund 100 Jahren noch Moshi und war ein sogenanntes
Chiefdom der Chagga am Kilimanjaro. Bekannt sind der Chief Mandara (Rindi)
und sein Sohn Meli. Es gab weitere Chiefs am Kilimanjaro, deren Territorien
durch die Täler getrennt waren. Die Chiefs waren die Verhandlungspartner
für durchziehende Karawanen, Händler und ab Mitte des 19ten
Jahrhunderts auch für Wissenschaftler, Abenteurer und deutsche „Kolonialritter“.
Die deutsche Ostafrika-Gesellschaft hatte in Old Moshi ihren Sitz,
der
Forschungsreisende, Schriftsteller und windige Geselle Ehlers war ihr
erster Beauftragter am Kilimanjaro. Windig ist er deshalb zu nennen,
weil
er behauptete, 1887 den Kilimanjaro bestiegen zu haben und kein Krater
sei auf der Spitze zu sehen gewesen. Der Geologe und amtliche Erstbesteiger
Hans Meyer fand 1889 den großen Reusch Krater und nannte Ehlers
einen Schwindler. Mag es Ehlers nur um persönlichen Ruhm gegangen
sein, so hatten die Leipziger Missionare und die deutsche Schutztruppe
andere Interessen in Old Moshi. Die ersten wollten den christlichen Glauben
verbreiten und missionierten und unterrichteten, die zweiten sollten
die
deutsche Kolonie vor den Afrikanern und anderen Kolonialmächten
schützen.
Sie waren darin nicht sonderlich erfolgreich, denn 1918 musste Deutschland
die Kolonie an Grossbritanien abgeben. Vielleicht ist es den Missionaren
zu verdanken, dass Schule in Kiswahili Shule heißt? Als ich 2004
zum ersten Mal in Old Moshi war, um die kulturelle Tour auf
den Spuren der Deutschen vorzubereiten, sagte Wilson Sindato, mein Guide,
dass er keinen Groll gegen die Deutschen hege, sie hätten Bildung
und den christlichen Glauben gebracht. „Und dort drüben
haben die Soldaten meinen Großvater aufgehängt und sein
Kopf liegt in einem Museum in Deutschland!“. Dabei wies er
auf einen großen
Baum am Weg. Ich war sprachlos und zweifelte die Geschichte an, bis ich
das interessante Buch „Eine Kopfjagd, Deutsche in Ostafrika“
von Martin Baer und Olaf Schröter gelesen hatte. Später lernte ich
Iseria Meli kennen, den Enkel von Chief Meli.
Er bestätigte den Tod nicht nur von Sindato und Meli, sondern einer
Reihe weiterer Männer durch Erhängen an diesem Baum im Ort.
Alle Körper liegen dort begraben, aber ohne Kopf. Natürlich
versprach ich ihm nach den Schädeln zu suchen. Ich lernte bei
der Suche eine Menge über die Kultur der Chagga, u.a. über
ihre Begräbnisriten. An einem speziellen Platz in den Bergen
wurden der Schädel und ein Arm abgelegt, aber nur von Toten,
die Nachfahren hatten. Der Schädel blickte zum Kilimanjaro.
Zuvor war der Tote ein bis zwei Jahre begraben gewesen. Ein Toter
ohne Kopf machte diese Tradition
unmöglich. Um in deutschen Museen suchen zu können, musste
zuerst der genaue Todestag bestimmt werden. Die Familien der Gehängten
waren sich nicht einig, noch nicht einmal über das Jahr. 1900
oder 1901 war in der Diskussion. Die Leipziger Missionare haben uns
das genaue Datum
und den Hergang in ihren Stationsberichten überliefert. Dank Pfarrer
Kiesel, der in Moshi das Archiv der Mission aufgebaut hat wissen wir,
dass am 2.3.1900 neunzehn Afrikaner durch die deutsche Schutztruppe gehängt
wurden. Sie waren der Verschwörung gegen die Deutschen angeklagt.
Das zwanzigste Jahrhundert
war gerade zwei Monate alt. 105 Jahre später versammelten sich einige
Familienmitglieder und ich am Grab. Wir wollen unsere Suche hier in
Deutschland
fortsetzen und haben schon durch den Kustos Dr. Creutz der Rudolf-Virchow-Sammlung
in Berlin großartige Hilfe erhalten, sind aber noch nicht auf
die gesuchten Schädel gestoßen. Nach weiteren Gesprächen
ist auch klar geworden, dass nur Chief Meli enthauptet wurde.
Eine Tour nach Old Moshi wollen wir erst anbieten, wenn mehr Informationen
über den Verbleib der Schädel verfügbar sind.
Wir nutzen hiermit das Internet, um unsere Suche zu publizieren und um
Hilfe zu bitten.
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